Unverhofft kommt oft
Als am 13.März um 21:15 Uhr das bis zu diesem Zeitpunkt unbesiegte Doppel Schönberger/Grünenwald den Gegnern aus Lienzingen zum Sieg gratulierte, war die 4.Herrenmannschaft um den Kapitän Philipp Heugel unsagbar enttäuscht. Nicht nur wegen der Mannschaftsleistung die zum Unentschieden führte, sondern auch weil man die Chance auf die Meisterschaft und den damit verbundenen Aufstieg in die Bezirksliga im Prinzip vergeben hatte. Hinzu kamen noch ein paar provokanten Aussagen eines Spieler aus der gegnerischen Mannschaft. Nun musste im Endspiel gegen den Konkurrenten TSV Heimsheim ein deutlicher Sieg her, um beim Spielverhältnis vorbeizuziehen, was eigentlich nicht realistisch schien. Heimsheim war zu diesem Zeitpunkt in der Rückrunde ungeschlagen, hatte mit Jens Distelrath eine neue Nummer 1 zur Rückrunde verpflichtet und man hatte das Vorrundenspiel mit 9.6 verloren. Insgesamt keine guten Aussichten auf einen (hohen) Erfolg.
Über die Woche schöpfte man neuen Mut und ging top-motiviert in das Entscheidungsspiel in der Höhle des Löwen Heimsheim. Zu Beginn lief alles nach Plan, das Topdoppel Schönberger/Grünenwald fand zur alten Erfolgsform zurück und bezwang Distelrath/Woelcke deutlich mit 3:1 Sätzen. Darauf folgte der ebenso eingeplante Sieg des besten Dreierdoppels der Liga Zeqiraj/Willig, auch wenn der Sieg äußerst knapp im Entscheidungssatz mit 11:9 ausfiel. Unser Doppel 2 Steinle/Heugel konnte das Spitzendoppel aus Heimsheim mit dem ehemaligen Oberligaspieler Jürgen Kieser nicht in Verlegenheit bringen und musste nach drei schnellen Sätzen dem Gegner gratulieren. Auch Florian Grünenwald konnte nichts gegen die eigentliche Nummer 1 des TSV Heimsheim ausrichten und verlor ebenso chancenlos mit 0:3, die genauso so schnell verliefen wie die im Doppel. Am Nebentisch zeigte Dean Steinle, mit 13 Jahren der Youngster des TTC, seine spielerische Klasse und zwang den Wintereinkauf der Heimsheimer in den fünften Satz. Dort konnte der schon bundesligaerprobte Jens Distelrath seine Routine ausspielen und zwang den Youngster mit 11:6 in die Knie. Die vierte Mannschaft des TTC lag mit 3:2 zurück. „Was jedoch nicht überraschend war. Wir wussten das Heimsheim im vorderen Paarkreuz mit Distelrath und Kieser topbesetzt sind, und wir in der Mitte und Hinten die Punkte sammeln mussten.“ so die Nummer 3 Flamur Zeqiraj. Dieser zeigte das auch gleich und wurde seinem eigenem Anspruch gerecht, in dem er einen etwas überfordert wirkenden Rene Roux 3:0 deklassierte. Zeitgleich kam es zu einem „Chrunchtime“- Spiel. Schönberger hat einen der Topspieler im mittleren Paarkreuz vor der Brust. Klaus Kohles verlor erst ein Spiel im mittleren Paarkreuz und wenn die vierte Herrenmannschaft das Spiel deutlich gewinnen wollte, musste dieser Punkt kommen. Zunächst sah es gut aus Schönberger spielte bis zum Stand von 2:1 Sätze und 8:3 groß auf und auf Seiten der Bietigheim-Bissinger wurde das Spiel schon zu unseren Gunsten abgehakt. Leider musste Markus Schönberger auch diesen Fehler gemacht haben, denn er verlor völlig den Faden und den Satz mit 8:11. Auch im fünften Satz fand er nicht mehr in sein Spiel zurück und verlor mit 6:11. Der erste Bigpoint war vergeben. Noch dramatischer wurde es als Mannschaftsopa (mit 28 Jahren) Andreas Willig gegen den Heimsheimer Woelcke überhaupt nicht in sein Spiel fand und es sang- und klanglos mit 0:3 verlor. Das Spiel drohte zu kippen, vor allem „wenn man bedenkt das Philipp in der Hinrunde gegen seinen Widersacher Dränkow mit 0:3 verlor, und bei einer erneuten Niederlage wir mit 3:6 zurückgelegen wären, dann wäre der Aufstieg in ganz weite Ferne gerückt.“ gab die Nummer 6 Andreas Willig zu bedenken. Doch Philipp Heugel ließ sich nicht aus seiner Ruhe bringen, kam ziemlich schnell mit den unangenehmen Aufschlägen zurecht und hatte seine Nerven sowie Widersacher im fünften Satz im Griff und gewann ihn mit 11:8. Somit endete die erste Runde nach den Einzeln mit 4:5. Zu diesem Zeitpunkt war weder an einen Sieg oder gar einen hohen Sieg des TTC zu denken schien fern ab jeglicher Vorstellungskraft, denn es wartete das vordere Paarkreuz der Heimsheimer. Während Dean Steinle dem Topspieler Kieser wenig entgegenzusetzen hatte und mit 0:3 vom Tisch schlich, schwung sich Florian Grünenwald auf im „schwersten“ Einzel des Tages eine Glanzleistung abzuliefern. „Die ersten zwei Sätze liefen wie geschmiert, dann hat er ne Schippe draufgelegt. Und im Fünften war er dann einfach platter wie ich“ resümierte Grünenwald den Fünfsatz-Sieg gegen Jens Diestelrath. „Der überraschende Sieg hielt uns am Leben, wenn das Spiel rausgegangen wäre, wäre es wahrscheinlich vorbei gewesen, aber das Florian mal ein Spiel auf Grund seiner besseren Kondition gewinnt, davon hat wahrscheinlich nicht mal er geträumt“ so Mannschaftskollege Markus Lang. Jetzt war das starke mittlere Paarkreuz an der Reihe, sowohl Flamur Zeqiraj, der in einem Spiel von unglaublich hohen Niveau für das mittlere Paarkreuz, gegen den Heimsheimer Kohles die Oberhand behielt als auch Markus, der den unorthodox spielenden Roux klar mit 3:0 in seine Schranken verwies. Damit übernahm der TTC nach langer Zeit wieder mit 7:6 die Führung. Zwar war man vom Idealziel deutlicher Sieg abgekommen, konnte jedoch die Heimsheimer mit einem Sieg für die restlichen zwei Spiele unter Zugzwang setzten. Philipp Heugel, der sich im wichtigsten Spiel des Jahres in Topform zeigte, stellte seine Klasse auch im zweiten Einzel unter Beweis und rang den Heimsheimer Woelcke mit 3:1 nieder und brachte seine Farben mit 8:6 in Front. Nun lag es Opa-Andi mit einem Sieg den Deckel auf dieses emotionsgeladene Duell zu machen. Andreas Willig legte wie die Feuerwehr los, spielte mit aggressiven Sport seinen Wiedersacher Dränkow zwei Sätze an die Wand. Im dritten Satz kam es zu einen kleinen Bruch im Spiel von Willig. Jedoch in den nächsten beiden Sätzen fand er zur alte Taktik und Stärke zurück, hatte jedoch nicht das nötige Quäntchen Glück und verlor die nächsten beiden Sätze mit 9:11. „ Bezeichnend war dass das Spiel mit einem Netzroller für meinen Gegner endete“ so Andreas Willig enttäuscht nach seiner Fünfsatzniederlage. Nun kam es alles auf das letzte Doppel an, in der Vorwoche verweigerte das Topdoppel des TTC noch und verlor es chancenlos. „Wir waren schon etwas unsicher, ob wir unsere Normalform nochmals abrufen konnten, nachdem wir im letzten Schlußdoppel zu schwach gespielt haben. Es war zu dem eine ganz besondere Konstellation, wenn wir verloren hätten, hätten wir die ganze Saison weggeworfen. Wir wollten uns die Minimalchance noch bewahren.“ so Markus Schönberger. Gegen das defensiv eingestellte Doppel Kieser/Roux gewann man den ersten Satz, verlor jedoch den zweiten Satz genauso klar. Dann spielte das TTC-Doppel auch passiver und macht kaum noch einen leichten Fehler. Und gewann das finale Spiel mit 3:1. Der Jubel auf Seiten der Bietigheim-Bissinger war grenzenlos, „das wir gegen diese starke Mannschaft überhaupt gewinnen, ich bin stolz auf meine Jungs“ meinte Kapitän Heugel.
Jedoch war nichts erreicht. Heimsheim musste gegen die Abstiegskandidaten aus Horrheim und Sachsenheim insgesamt sieben Spiele abgeben. „Wenn man bedenkt das Horrheim in Vorrunde mit kompletter Mannschaft ein 7:9 den Heimsheimer abgerungen hat, sehen unsere Chance nicht so schlecht aus“ bilanzierte Flamur Zeqiraj. Leider traten die Horrheimer nicht komplett an und zogen mit 1:9 den Kürzeren. Nun musste die Mannschaft aus der Nachbargemeinde Sachsenheim, die Kohlen für den TTC aus dem Feuer holen. In der Vorrunde gab es noch eine herbe 0:9 Niederlage. „ Sechs Punkte von Kleinsachsenheim gegen Heimsheim. Nicht mal in unserer kühnsten Fantasie haben wir daran geglaubt. Ich wollte schon gar nicht mehr hinfahren“ gab Florian Grünenwald zu. Doch schon bei der Ankunft gab es die erste Überraschung. Die Kleinsachsenheimer in Bestbesetzung startenden mit einem Doppelsieg. Danach folgte der Überraschungscoup von Matze Pruy mit dem Sieg gegen den ungeschlagenen Jürgen Kieser. In der Mitte punktet Michael Gutsche gegen Rene Roux und hinten schlug der Sachsenheimer Beckel Woelcke mit 3:1. 4:5 … Hier roch es doch nach Überraschung, oder doch nicht? Unglaublich, aber wahr, auch das zweite Spiel von Jürgen Kieser gegen Jochen Seeger ging verloren und es fehlt nur noch ein Punkt zum sicheren Aufstieg, beim Stand von 5:6 hätte das Satzverhältnis gezählt. Doch Roux verlor auch sein zweites Spiel gegen Michael Holzinger und somit war der TTC wegen einem Spiel aufgestiegen. „Unfassbar. Es ist nicht zu beschreiben wie mir im entscheidenden Spiel Holzinger-Roux das Herz gepocht hat“ freute sich Andreas Willig. „ Glück ist das Zusammentreffen der Fantasie und der Realität“ so Willig weiter.
(fg)