Der TTC mit neuem Personal – allein der Klassenerhalt zählt
Der Spielplan für die neue Saison ist erstellt, die Mannschaftaufstellungen der Gegner sind auch bekannt und für die erste Herrenmannschaft des TTC Bietigheim-Bissingen ist mehr denn je der Kampf um den Klassenerhalt in der Tischtennis Regionalliga angesagt. „Beim Anblick der Aufstellungen bedarf es keiner großen Prophezeiung, dass wir dieses Jahr vom ersten Spieltag an gegen den Abstieg spielen werden“ weiß TTC-Trainer Momcilo Bojic um die Schwere der Aufgabe.

Zwei Abgänge hat der TTC zur neuen Saison zu vermelden. Dabei schmerzt vor allem der Weggang des Spitzenspielers Andrej Bondarev, der sich dem Regionalligaabsteiger SV Ottenau anschloss um mit diesem den direkten Wiederaufstieg aus der Oberliga Baden-Württemberg in die Regionalliga zu schaffen. „Andrej fehlt uns nicht nur als zuverlässiger Punktesammler im vorderen Paarkreuz, sondern auch seine wichtigen Punkte im Spitzendoppel werden schwer zu ersetzen sein“ so TTC-Vorstand Matthias Grünenwald über den Verlust Bondarevs. „Aber finanziell war es einfach nicht möglich ihn zu halten. Deshalb musste dieser Schritt, so sehr er auch schmerzt, vollzogen werden“ so Grünenwald weiter. Neben Bondarev hat auch die letztjährige Nummer sechs Wilhelm Krüger berufsbedingt den TTC in Richtung Hamburg zum Kaltenkirchener TS verlassen. „Es war schon frühzeitig klar, dass Wilhelm uns verlassen wird. „Auch er wird uns aufgrund seiner Teamfähigkeit fehlen“ honoriert Bojic die Fähigkeiten seines ehemaligen Schützlings.
Bei der Suche nach Ersatz für die beiden Abgänge mussten die TTC-Verantwortlichen jedoch mit schmalem Budget haushalten. „Nach dem Verlust eines Sponsors, war es für uns natürlich nicht einfach eine vernünftige Regionalligamannschaft auf die Beine zu stellen“ erinnert sich Grünenwald an die Ausgangssituation. Zuerst einigte man sich mit den verbliebenen vier Spielern auf eine weitere Zusammenarbeit. So sagten neben Trainer Momcilo Bojic auch Marlon Spieß und die beiden Eigengewächse David Steinle und Oliver Herbrik frühzeitig zu dem TTC die Treue halten zu wollen. „Damit hatten wir zumindest schon einen Grundstock für unser Team“ so Grünenwald zur Kaderplanung. „Mit diesen vier Spielern war uns klar, dass wir zumindest eine realistische Chance auf den Klassenerhalt haben würden“ so Grünenwald weiter.
Zu diesen vier Spielern gesellte sich als nächstes mit Mario Dierolf ein weiteres TTC-Eigengewächs, der nun den Sprung in die Regionalliga schaffen sollte. „Sowohl dem Vorstand als auch mir war sofort klar, dass nun Mario seine Chance erhalten sollte. Er hat in der abgelaufenen Saison sowohl im Spitzenpaarkreuz der zweiten Mannschaft als auch als Ersatzspieler in der ersten Mannschaft überzeugt und ist nun soweit“ begründet Bojic die Heraufstufung des TTC-Talents. „Im Prinzip ist ja auch genau das unser Leitbild. Spieler wie David, Oliver oder jetzt Mario sollen die Vorbilder für die vielen talentierten Jugendlichen sein, die sich im Nachwuchsbereich des TTC tummeln. Dafür betreiben wir die aufwendige Nachwuchsarbeit“ fügt Grünenwald an.
Da mit Paul Rogler und Daniel Herbrik zwei weitere Eigengewächse mit dem Potential und dem Niveau Regionalliga, aufgrund beruflichen Verpflichtungen nur für die zweite Mannschaft zur Verfügung stehen, musste noch mindestens ein sechster Spieler für das Team gefunden werden. Diesen fanden die TTC-Verantwortlichen dann auch im erst 15-jährigen Richard Breitschopf. Er spielte zuvor in der zweiten Mannschaft des TV Bad Rappenau im vorderen Paarkreuz der Verbandsklasse. „Wir hatten ihn schon länger im Blickfeld und jetzt sahen wir auch die Zeit gekommen ihm ein vernünftiges Angebot machen zu können. Die Gespräche mit ihm und seinen Eltern verliefen dann auch in einem sehr angenehmen Rahmen. Man war sich schnell einig“ freut sich Bojic über den Neuzugang. „Richard ist jung und hat deutliches Entwicklungspotential. Er wird an sich arbeiten müssen, doch wir hätten ihn nicht geholt, wenn wir nicht an ihn glauben würden“ so Bojic weiter.
Damit stand zunächst das Regionalliga-Sextett eigentlich fest. Die Planungen waren eigentlich schon abgeschlossen, als sich mit Dennis Klein noch eine weitere Option für den TTC auftat. Eigentlich sollte der 14-jährige Dennis Klein, der in Baden-Württemberg zu den Top Drei der U15-Jugendlichen gehört, vom SSV Ulm in die Bundesligareserve der TTF Liebherr Ochsenhausen in die Oberliga Baden-Württemberg wechseln. Dort trainiert er auch zweimal täglich im Förderkader um die Bundesligamannschaft und so war sein Wechsel nach Ochsenhausen auch die logische Konsequenz. Doch unglückliche Umstände erlaubten es den Verantwortlichen der TTF nicht eine Oberligamannschaft zu stellen. Das war der Moment, als der TTC auf das Parkett trat. „Ochsenhausen Leid war unsere Freud“ fasst Grünenwald den Wechsel des jungen Tischtenniskünstlers zusammen. „Das größte Hindernis war die Distanz des aus Ulm kommenden Youngsters. Aber wir haben uns auf ein vernünftiges Maß von Trainingsbesuchen bei uns geeinigt, da es schon wichtig ist, dass Dennis auch mit der Mannschaft trainiert“ so Bojic über die Wechselmodalitäten. „Dennis wollte aber unbedingt zu uns, so dass er auch einmal wöchentlich die Fahrt aus Ulm zu uns auf sich nehmen wird“ so Bojic weiter.
Damit hatte der TTC seine endgültige Mannschaft zusammen. David Steinle wird gemeinsam mit Momcilo Bojic im vorderen Paarkreuz auf Punktejagd gehen. Marlon Spieß, den die TTC-Verantwortlichen gerne für Bojic an Position Zwei gestellt hätten um seine Entwicklung weiter voranzutreiben, dies aber vom Verband abgelehnt wurde, wird gemeinsam mit TTC-Kapitän Oliver Herbrik versuchen im mittleren Paarkreuz für die Punkte zu sorgen. Dennis Klein, Richard Breitschopf und Mario Dierolf werden im hinteren Paarkreuz durchrotieren, so dass jeder sechs der neun Spiele absolvieren wird. „Ich denke, dass wir mit dieser Mannschaft eine realistische Chance auf den Klassenerhalt haben. Die Jungs haben alle Potential für mehr“ freut sich Oldie Bojic über seine junge Mannschaft. „Gemeinsam mit David und Oliver, die schon zu den alten Hasen zählen, muss ich die Jungs in den wichtigen Phasen an die Hand nehmen. Es wird eine tolle Saison“ so Bojic optimistisch weiter.
Beginnen wird der TTC die Runde mit einem Heimspiel am 9. Oktober gegen einen der Topfavoriten auf die Meisterschaft, den bayrischen Oberligaaufsteiger SC Fürstenfeldbruck. Es folgen fünf weitere Heimspiele gegen die Neckarsulmer Sportunion, den Lokalrivalen TSG Steinheim, den zweiten Meisterschaftsfavoriten FC Bayern München, den baden-württembergischen Oberligaaufsteiger Bad Rappenau und den einzigen Vertreter Sachsens, den TTC Holzhausen. Erst im siebten Saisonspiel folgt ein Auswärtsspiel beim TTC Wohlbach ehe es im Anschluss noch zum ESV Weil am Rhein geht und der TSV Wendlingen zum Vorrundenabschluss in Bietigheim-Bissingen am 18. Dezember gastiert. „Für uns geht es vor allem in den Spielen gegen Steinheim, Bad Rappenau, Wendlingen und Holzhausen darum für die nötigen Punkte zu sorgen. Sie dürften unsere Mitstreiter gegen den Abstieg sein“ analysiert Momcilo Bojic die Gegner. „Gegen Bayern und Fürstenfeldbruck geht wohl gar nichts und gegen Weil. Neckarsulm und Wohlbach nur unter bestimmten Umständen. Wobei wir gerade in diesen Spielen dann, wenn die Chance sich bieten sollte auch zupacken müssen“ so Bojic weiter.
Besonderes Highlight dürfte auch das Heimspiel gegen den FC Bayern werden. Dieses wird nämlich anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des TV Großvillars (Stadtteil von Oberderdingen, bei Bretten) in Großvillars stattfinden. „Uns verbindet seit geraumer Zeit eine gewisse Freundschaft. Als die Anfrage bezüglich der Ausrichtung eines Regionalliga-Spiels anlässlich ihres Jubiläums kam, waren wir ganz angetan von dieser Idee, zumal wir vor vier Jahren bereits positive Erfahrung mit einem Gastspiel in Oberriexingen gemacht haben“ so Matthias Grünenwald zu der eher unüblichen Entscheidung.
Trotz der schwierigen Situation stehen die Zeichen auf Vorfreude im Lager des TTC. „Die Situation hat was Spannendes. Wir haben eine tolle Mannschaft und ich freue mich auf die Spiele“ so Matthias Grünenwald. „Ich denke in solchen Phasen kann auch eine ganz besondere Eigendynamik im positiven Sinne entstehen“ so Grünenwald. Doch bevor die Runde losgeht, stehen für die Mannen um den neuen Spitzenspieler David Steinle einige Trainingseinheiten auf dem Programm. So geht es aufgrund der schlechten Hallensituation mit einem einwöchigen Trainingslager in Großvillars los. „Wir haben dort die Chance eine Woche lang jeden Tag zu trainieren. Dort beginnen wir gemeinsam die Grundlagen zu legen“ so Momcilo Bojic. Es folgt eine abgespeckte Woche Training in Bissingen, ehe die letzte Sommerferienwoche nochmals ein ausgiebiges Programm in der Stammhalle in Untermberg ansteht. „Die Hallensituation ist dieses Jahr nicht optimal, aber wir haben eine ganz gute Lösung dank unseren Freunden aus Großvillars gefunden“ gibt sich Bojic zufrieden mit dem aufgestellten Trainingsprogramm in den Sommerferien. Mit dem Schulbeginn geht dann der normale Trainingsbetrieb mit vier Einheiten pro Woche. „Ich denke wir werden am 9.10 in guter Form sein. Auch wenn Fürstenfeldbruck wohl eine Nummer zu groß sein wird. Doch wir werden auch hier versuchen von Anfang an ein gutes Spiel abzuliefern“ so die abschließenden Worte von Momcilo Bojic.
(mg)